FIP

Tierheim Olpe
Vorgehensweise bei Tierheimkatzen bzgl. Infektionskrankheiten
- Stand: Oktober 2004 -

Die Vorgehensweise des Tierschutzvereins Olpe basiert auf den Informationen von Prof. Dr. Hans Lutz vom Veterinärmedizinischen Labor der Universität Zürich, welcher sich mit seinen Mitarbeitern mit Forschungsarbeiten über Infektionskrankheiten der Katzen befasst (Prof. Dr. Hans Lutz, "Virusinfektionen von Katzen", hrsg. von Virbac) so wie auf den Informationen von Laboklin GmbH & Co.KG, Labor für klinische Diagnostik (www.laboklin.de) und des Instituts für Virologie der Universität Giessen, und orientiert sich an den uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.

Fast alle Tierheimkatzen sind Freigänger und werden als solche vermittelt. Sie waren und sind damit Zeit ihres Lebens unvermeidbar den Erregern von Infektionskrankheiten ausgesetzt, innerhalb und außerhalb des Tierheims. Je nach der individuellen Immunantwort der Katze auf den Erreger oder ihrer genetischen Disposition infiziert sich die Katze damit oder nicht, erkrankt daran oder nicht, stirbt oder überwindet die Infektion und Erkrankung aus eigener Kraft und / oder mit Hilfe tiermedizinischer Behandlung.

Jede neue Katze im Tierheim wird so schnell wie möglich gegen Katzenschnupfen, Tollwut und Katzenseuche geimpft, sofern sie nicht schon mit gültigem Impfpaß abgegeben wurde.

Gegen FIP und FIV gibt es leider noch keine zuverlässige Impfung. Bitte lassen Sie Ihre Katze gegen FeLV impfen. Diese Impfung ist sinnvoll, der Tierschutzverein kann diesen Impfschutz jedoch leider nicht finanzieren.

Katzenschnupfen

Die gut erkennbare Katzenschnupfen-Infektion wird durch das Herpesvirus der Katze und das sog. Calicivirus verursacht und durch direkten Kontakt der Tiere untereinander übertragen. Diese Krankheit kann meist gut therapiert werden. Alle Katzen im Tierheim werden gegen Katzenschnupfen geimpft.

FIP - Feline Infektiöse Peritonitis

Tiere, die das Krankheitsbild der ausgebrochenen Felinen Infektiösen Peritonitis aufweisen, werden auf Coronaviren getestet, um diese Verdachtsdiagnose zu erhärten. Gesunde Tiere, bzw. Tiere, die dieses Krankheitsbild nicht aufweisen, werden nicht getestet.

Der Grund dafür ist, dass die Tests nicht zwischen enteralen Coronaviren und dem FIP-Virus selbst unterscheiden können, so dass die Testergebnisse gesunder Tiere für uns keine verwertbaren Informationen liefern, weil wir auch nach dem Test nicht wissen, ob sie den FIP- oder einen anderen Coronavirus haben. Es ist demnach ein Fehler, wenn der Coronavirustest bei gesunden Katzen durchgeführt wird, mit dem Ziel eine FIP nachzuweisen oder auszuschliessen. Über 50 % der gesunden Katzenpopulation (ein Labor, mit dem Tierheim-Tierärztin Frau Dr. Elisabeth Meyer zusammenarbeitet, nennt sogar 80 %) hatte einmal Kontakt mit Coronaviren und hat Antikörper gegen Coronaviren, die im Test nachgewiesen werden. Es dürfte wenig Sinn machen, über 50 % der gesunden Katzenpopulation zu euthanasieren oder isoliert in Quarantäne zu halten, ohne zu wissen, welche Tiere tatsächlich den FIP-Coronavirus in sich tragen, weil es leider keinen Test gibt, der den FIP-Virus selbst nachweist.

Die FIP-Erkrankung ist die Folge der Entstehung virulanter Mutanten im Einzeltier nach einer starken Vermehrung des "residenten" Coronavirus, wie sie nach Immunsuppression erfolgt. Während enterale Coronaviren sehr ansteckend und sehr verbreitet sind, wird der FIP-Virus selbst als wesentlich weniger ansteckend beurteilt. Asymptotische (und damit nicht identifizierbare) Virusträger spielen die wichtigste Rolle bei der Übertragung. Auch mit FIP infizierte Tiere können die Infektion aus eigener Kraft durch ihr Immunsystem überwinden, ohne an FIP zu erkranken. Neben einer Vielzahl anderer Faktoren (Virulenz des Coronavirus, Alter des Tieres, genetische Emp-fänglichkeit, Immunkompetenz, Stressfaktoren, Immunsuppressiva) scheint eine Fehlleitung des Immunsystems der entscheidende Grund für einen Ausbruch der Krankheit zu sein. Weniger als 2 % der Katzenpopulation erkranken jährlich an FIP. Einmal ausgebrochen ist die Krankheit bisher kaum therapierbar. Zur Zeit gibt es keine zuverlässige, empfehlenswerte Impfung gegen FIP.
Weitere Informationen zu FIP

FeLV - Feline Leukämievirusinfektion

Die FeLV wird durch ein Retrovirus verursacht, die Übertragung erfolgt durch Körperexkrete und -sekrete. In der Aussenwelt verliert das Virus seine Ansteckungskraft rasch. Man geht davon aus, dass zwischen 50-80% der Katzenpopulation Mitteleuropas in Kontakt mit dem FeLV kommen, und sich etwa 70 % der Population damit infizieren. Die meisten Tiere überwinden die Infektion aus eigener Kraft. 10-30% der Tiere erkranken eines Tages an FeLV, die sich vorwiegend durch Tumore manifestiert. In der überwiegenden Zahl der Fälle können Therapieaussichten und Prognosen nur mit Vorsicht bestimmt werden, aber längst nicht jeder Tumor ist als aussichtslos einzuschätzen.

Tiere, die das Krankheitsbild der ausgebrochenen Felinen Leukämievirusinfektion aufweisen, werden auf FeLV getestet (Bluttest). Gesunde Tiere, bzw. Tiere, die dieses Krankheitsbild nicht aufweisen, werden nicht getestet.

Der Grund dafür ist, dass gesunde Katzen in der Lage sind, diese Infektion in allen ihren Stadien aus eigener Kraft zu überwinden, und über 40 % der gesunden Katzen mit einem positiven Testergebnis gegen FeLV immun werden, teilweise schon nach wenigen Wochen.

Auch ein FeLV-Test liefert deshalb bei einer gesunden Katze keine für uns verwertbaren Informationen, zumal sie sich als Freigänger nach der Vermittlung schon morgen mit FeLV infizieren kann.

Da viele gesunde Katzen - im Gegensatz zu Katzen mit Krankheitssymptomen - von selbst in der Lage sind, die Infektion zu überwinden, darf ein einzelner positiver Test nicht als Anhaltspunkt für das Einschläfern einer Katze gewertet werden. Viel eher muss man einer Katze mit positivem Test die Chance geben, von selbst über die Infektion hinwegzukommen. Umgekehrt sagt ein negativer Test nur aus, dass sich das Tier zum Testzeitpunkt nicht in der Phase der Virämie befand (Viren befinden sich nicht im Blut und sind deshalb nicht nachweisbar), es kann sich jedoch um eine latente Infektion handeln, die später bei außergewöhnlichen Belastungen wieder zu virämischen Phasen führt.

Eine standardmässige Impfung gegen feline Leukämievirusinfektion übersteigt leider bei weitem die finanziellen Möglichkeiten des Tierschutzvereins. Es wird deshalb jedem Katzen-Schutzvertrag ein Infoblatt über die FeLV-Impfung beigelegt, verbunden mit der Bitte an den Tierbesitzer, seine Katze durch eine Leukoseimpfung schützen zu lassen.

FIV - Felines Immunschwächevirus

FIV ("Katzenaids") wird durch einen Lentivirus verursacht. Die Übertragung des Virus erfolgt durch Bisse. Eine Euthanasie infizierter Tiere ist in den meisten Fällen nicht nötig: Eine Übertragung der FIV-Infektion unter sozial gut adaptierten Tieren ist wenig wahrscheinlich, das Übertragungsrisiko ist bei mehreren friedlich zusammen gehaltenen Tieren selbst bei Benutzung gemeinsamer Futtertröge gering. Es dauert meist Jahre von der Infektion bis zum Auftreten von Krankheitssymptomen, so dass eine junge infizierte Katze durchaus noch viele Jahre ohne Symptome leben kann. Angaben über die Mortalität bei der FIV-Infektion sind in Anbetracht der Lebenserwartung von Katzen wenig sinnvoll.

Tiere, die in sehr schlechtem Zustand sind und den verschiedenen Krankheitsbildern des Felinen Immunschwächevirus zuzuordnende Symptome oder rezidivierende, therapieresistente Erkrankungen aufweisen, werden auf FIV getestet. Gesunde Tiere, bzw. Tiere, die dieses Krankheitsbild nicht aufweisen, werden nicht getestet.

Bis jetzt treten FIV-Fälle sehr selten auf, nur wenige Prozent der Katzenpopulation in Deutschland sind betroffen. Der Kreis Olpe zeigt sich bisher nicht als Endemiegebiet. Negative Blut-Testresultate sind als äussert zuverlässig zu werten. Bei gesunden Katzen gefundene positive FIV-Resultate dagegen sind nicht sehr zuverlässig und bedürfen einer Bestätigung durch ein zweites, besseres Verfahren (den sog. Immunfluoreszenztest oder Western Blot). Zur Zeit gibt es keine zuverlässige Impfung gegen FIV.

Katzenseuche - Panleukopenie

Parvoviren sind hier der Verursacher, diese sind sehr ansteckend, langlebig und werden über die Umgebung übertragen. Alle Hunde und Katzen im Tierheim werden gegen Parvoviren geimpft. Bei Verdacht auf Parvoviren werden im Tierheim entsprechende Untersuchungen veranlasst, spezifische Hygienemassnahmen dienen als Vorbeugung.

Tollwut

Die Tollwut wurde in weiten Teilen Deutschlands durch die Impfung der Fuchspopulationen wirkungsvoll unterbrochen. Alle Katzen im Tierheim werden gegen Tollwut geimpft.

Pseudowut - Aujeszky`sche Krankheit

Beim Erreger der Pseudowut handelt es sich um einen Herpesvirus der Schweine. Zur Erkrankung kommt es, nachdem die Katze ungekochte Schlachtabfälle infizierter Schweine gefressen hat oder auch durch direkten Kontakt der Katze mit infizierten Schweinen z.B. im Schweinestall. Weder eine Übertragung von Katze zu Katze noch eine vorbeugende Impfung sind bekannt.

Fazit:

Die o.a. Tests können nur dazu dienen, bei sehr kranken Katzen in schlechtem Zustand, die das entsprechende Krankheitsbild aufweisen, die Diagnose zu erhärten oder festzustellen, dass der Zustand der Katze andere Gründe haben muss, welche dann herausgefunden werden müssen. Kann die Verdachtsdiagnose durch den Test erhärtet werden, so ermöglicht das auch eine Prognose der Heilungsaussichten und eventuell eine vernünftige Entscheidung über eine Euthanasie, wenn, wie z.B. bei FIP, keine Heilung möglich ist und weitere Behandlungen das Tier nur unnötig leiden lassen würden. Ebenso kann bei einem Fall von Katzenseuche die prophylaktische Gabe von Immunstimulanzien an andere Katzen aufgrund der Ansteckungsgefahr eingeleitet werden.

Der Tierschutzverein Olpe verfolgt bei der Bekämpfung von Katzeninfektionskrankheiten folgende Ziele:

  1. Impfung
  2. Hygiene
  3. tiermedizinische Behandlung
  4. möglichst art- und tierschutzgerechte, stressfreie und damit die Immunabwehr der Katzen fördernde Unterbringung und Pflege

Katzen, die gesund und artgerecht gehalten, geimpft und gut ernährt werden, sind potentiell am wenigsten durch Krankheitserreger gefährdet. Das letztgenannte Ziel kann aber im Tierheim nur durch den geplanten Umbau und Anbau des Katzenhauses erreicht werden, wozu wir mangels eigener Mittel auf Ihre Spenden dringendst angewiesen sind.

- Vorstand -
Tierschutzverein für den Kreis Olpe e.V.


weitere Informationsquellen zu FIP: