Kaninchen ja / nein

 

Kaninchen: Ja oder Nein?

Tipps für die richtige Haltung

Gerade kleine Kaninchen sprechen durch ihr putziges Aussehen besonders Kinder an und man wird dadurch oft verleitet, Kaninchen als ideales Haustier für Kinder zu sehen. Aber von der Vorstellung vom Schmusekaninchen, das nichts lieber hat, als herumgetragen zu werden und den ganzen Tag nur spielen will, wurde schon so mancher neue Kaninchenbesitzer geheilt. Kaninchen sind tolle Tiere, aber man muss sie akzeptieren, wie sie sind, und sie sind keineswegs als Kinderspielzeug" geeignet.

Bevor die neuen tierischen Mitbewohner einziehen, sollte man sich ausgiebig informieren und auch mit der ganzen Familie klären, ob Kaninchen die geeigneten Haustiere sind.

Kaninchen können bis zu zwölf Jahre alt werden. Die Anschaffung und Haltung ist mit laufenden Kosten verbunden. Die Tiere brauchen ein Gehege mit Einrichtung, Futter, Impfungen und wenn sie mal krank werden einen Tierarzt. Fütterung und Pflege nehmen Zeit in Anspruch.

Kaninchen sind sehr gesellige Tiere mit ausgeprägtem Sozialverhalten. Sie müssen daher mindestens zu zweit oder in einer Gruppe gehalten werden.

Die Zahl an heimatlosen Kaninchen ist erschreckend hoch. Tausende Kaninchen, egal ob jung oder alt, gesund oder von falscher Haltung gezeichnet, warten in Tierheimen und bei Kaninchenorganisationen auf ein neues Zuhause und eine zweite Chance. Daher sollten Sie z. B. Zoohandlungen nicht durch Ihren Kauf unterstützen. Zumal die Tiere in Zoohandlungen oft krank sind und durch die viel zu frühe Trennung vom Muttertier ein schwaches Immunsystem haben. Außerdem kommt es durch die meist fehlende Sachkenntnis der Verkäufer leider oft zu falschen Geschlechtsbestimmungen, sodass schon manch neuer Kaninchenbesitzer plötzlich von tierischem Nachwuchs überrascht wurde, der dann ungewollt ist und in den Tierheimen landet.

In vielen Tierheimen gibt es bereits Kaninchenpärchen, die sich vertragen. Sollten Sie für Ihr bereits vorhandenes Kaninchen einen Partner suchen, kann man Ihnen im Tierheim genau sagen, welches Tierheimtier charakterlich zu Ihrem passt.

Keinesfalls darf man ein einzelnes Kaninchen mit einem einzelnen Meerschweinchen zusammen halten. Diese Kombination wird zwar fälschlicherweise häufig empfohlen, stellt aber keine artgerechte Haltung dar. Kaninchen und Meerschweinchen haben verschiedene Sprachen und ein unterschiedliches Sozialverhalten. Sie leben zwar in einer Art Koexistenz, ersetzen aber dem jeweils anderen nicht den Artgenossen. So bleibt auch diese Haltung Einzelhaltung und ist daher nicht artgerecht. Die gemeinsame Gruppenhaltung ist unter bestimmten Voraussetzungen jedoch möglich. Bitte rufen Sie sich einfach in Erinnerung, dass Sie auch nicht Ihr ganzes Leben nur mit einem Affen verbringen wollen, ohne jemals einen Menschen zu Gesicht zu bekommen.

Interessant ist hier ein Blick ins Nachbarland Österreich. Dort ist die Haltung von Kaninchen mit Meerschweinchen seit dem 1. Januar 2006 verboten und wird mit Strafen geahndet. Ausnahmen bewilligt der Staat nur, wenn für beide Tiere genug Ausweichmöglichkeiten gegeben sind, das Gehege gut strukturiert und sehr groß ist und von beiden Arten mindestens zwei Tiere gehalten werden. Meerschweinchen brauchen viele Häuschen mit so kleinen Eingängen, dass die Kaninchen nicht folgen können, die Schweinchen aber nicht stecken bleiben. Damit sich auch die Kaninchen vor den Schweinchen zurückziehen können, müssen viele erhöhte Sitzplätze, am besten ganze Etagen, vorhanden sein. Ein gut strukturiertes Gehege kann beiden Arten gerecht werden.

Für zwei Zwergkaninchen benötigen Sie ein Gehege von 4 m² unverstellter Grundfläche (2 m² pro Tier), egal ob Innen-oder Außenhaltung. Allerdings können Kaninchen nie genug Platz zur Verfügung haben neben freien Flächen zum Hoppeln, Hakenschlagen und Buddeln sind erhöhte Sitzplätze sowie Versteckmöglichkeiten notwendig. Also: Je mehr Platz umso besser!

Auch bei der Innenhaltung gibt es die Möglichkeit, durch Zimmergehege oder freie Wohnungshaltung (ähnlich der Haltung einer Katze), den Tieren den Platz zu geben, den sie zum Wohlfühlen brauchen. Die handelsüblichen Käfige genügen in keinster Weise den artgerechten Bedürfnissen von Kaninchen und führen in den meisten Fällen zu Verhaltensstörungen der Tiere.

Zur artgerechten Ernährung von Kaninchen und Meerschweinchen: Das wichtigste Grundnahrungsmittel, das immer und ständig zur Verfügung stehen muss, ist Heu. Heu macht ca. 80 % der täglichen Ernährung aus, zusätzlich gibt man Frischfutter wie Gemüse und Obst, wobei Gemüse den größeren Anteil stellen soll. Unsere Kleintiere können übrigens viel mehr Gemüsesorten fressen als nur Karotten und Salat und sollten abwechslungsreich ernährt werden. Folgende Gemüsesorten können Sie Ihren Lieblingen außerdem anbieten: Brokkoli, Chicoree, Chinakohl, Fenchel, Salatgurke, rote Tomate (ohne Tomatengrün!), Kohlrabiblätter, Mairübe, Steckrübe, Knollensellerie, Rote Beete, Topinambur, Petersilienwurzel, Pastinake.  Als Obst (immer in kleinen Mengen) eignen sich Apfel, Banane (ohne Schale), Birne, Heidelbeere, Kiwi, Weintraube.

Zusätzlich können Sie folgende Kräuter (frisch oder getrocknet) auf dem Speiseplan setzen: Basilikum, Dill, Gänseblümchen, Löwenzahn, Melisse, Petersilie, Pfefferminze, Salbei, Sonnenblume, Spitzwegerich, Vogelmiere. Für den Zahnabrieb sind neben dem wichtigen Heu auch Zweige eine gern gesehene Abwechslung: Ahorn, Apfel, Birke, Buche, Esche, Fichte, Haselnuss, Linde und Tanne.

Keinesfalls sollten die Tiere Trockenfutter aus dem Handel bekommen. Dieses enthält neben den für Kaninchen und Meerschweinchen ungesunden Zutaten wie Zucker, Honig, Milcherzeugnisse, tierisches Eiweiß fast immer als Hauptbestandteil Getreide und dies wiederum enthält Stärke. Im Darm werden die Stärkeketten von Hefen in Zuckermoleküle aufgespalten, wobei Kohlendioxid entsteht. Das sorgt für Fehlgärungen und Blähungen. Außerdem verursachen diese Bestandteile des Futters Übergewicht und führen zu satten, bewegungsunlustigen Tieren. Das wichtige Heu wird dadurch oft verschmäht und der Zahnabrieb ist nicht mehr gewährleistet. Der pH-Wert des Darms sinkt durch zu stärkehaltige Fütterung ab, was schädlichen Bakterien einen idealen Nährboden bietet.

Das Magen-Darm-System der Kaninchen und auch der Meerschweinchen ist für diese Ernährung nicht ausgelegt und kann sie daher nicht aufschlüsseln, auch der Kauapparat ist nicht auf ständigen Verzehr von Futter dieser Beschaffenheit eingerichtet. Das Gleiche gilt für Lecksteine, Snacks, Knabberstangen und Leckerlis aller Art, die man oft poppig bunt aufgemacht im Handel erwerben kann.

Diese Art der Fütterung mag lange gut gehen, aber das klappt nicht ewig. Irgendwann (bei manchen Tieren im jungen Alter, bei manchen erst später) kommt es zu schweren Verdauungs-und/oder Zahnproblemen. Eine Futterumstellung darf aber nie abrupt erfolgen, sondern sollte über einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen durchgeführt werden, d. h., man gibt täglich immer etwas weniger von dem Trockenfutter, bis das Tier schließlich ganz entwöhnt" ist. In freier Natur fressen Kaninchen Gräser, Kräuter und Blätter von Gemüsepflanzen. Nicht zum Nahrungsspektrum von Kaninchen gehören Körner von Getreide, da diese nur für eine kurze Periode verfügbar sind und dann in einer Höhe von ca. einem Meter für die Kaninchen ohnehin gar nicht erreichbar sind.

Ausführliche Informationen über artgerechte Kaninchen-und Meerschweinchenhaltung (Haltung, Ernährung, Sozialverhalten, Gesundheit) finden Sie in den Infobroschüren der Kaninchenhilfe Deut-schland e. V. Kaninchenhaltung mit Herz und Verstand" bzw. Meerschweinchenhaltung mit Herz und Verstand". Für den Bau von Außengehegen oder für Beispiele zur artgerechten Innenhaltung empfiehlt sich das Sonderheft Exklusive Wohnimmobilien für verwöhnte Langohren in Innen-und Außenhaltung".

Alle Broschüren gibt es unter www.kaninchenhilfe.com.

Vereinsportrait

Kaninchenhilfe Deutschland e. V.

Kaninchenhaltung mit Herz und Verstand

Die Kaninchenhilfe ist eine Tierschutzorganisation, die sich auf Kaninchen spezialisiert" hat. Doch warum ist eine Kaninchenorganisation überhaupt notwendig? Diese Frage ist einfach beantwortet: Seit Jahren zählen Kaninchen neben Hunden und Katzen zu den beliebtesten Heimtieren. Dennoch haftet ihnen noch immer das zweifelhafte Image des Nutztieres, des bedürfnislosen Käfigtieres oder gar des idealen Kinderspielzeuges an. In den letzten Jahren jedoch hat sich durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse das Wissen um Kaninchen weiterentwickelt. Die Kaninchenhilfe ist bestrebt, dem Kaninchen zu einem angemessenen Status im Heimtierbereich zu verhelfen.

Ausgehend von Österreich, wo bereits seit 2001 die Kaninchenhilfe Österreich Kaninchenhaltern mit Rat und Tat zur Seite steht, wurde im November 2004 die Kaninchenhilfe Deutschland e. V. gegründet. Ein weiterer Schritt zu grenzenloser Kaninchenhilfe erfolgte im Oktober 2007, als die Kaninchenhilfe Schweiz gegründet wurde. Was 2001 als kleines Projekt von einer Gruppe von Kaninchenfreunden begann, entwickelte sich zu einem länderübergreifenden Tierschutzprojekt. Das Bestreben der Mitglieder, ihre langjährigen Erfahrungen weiterzugeben, aufzuklären und zu helfen, hat sie zusammengeführt. So ist es das Hauptziel der Kaninchenhilfe, Kaninchenhaltern und -interessierten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und das Zusammenleben von Mensch und Kaninchen beidseitig zu verbessern.

Die enge Zusammenarbeit aller Mitglieder ermöglicht es, Fachwissen, Erfahrungen und Kapazitäten zu bündeln und die Aktivitäten kontinuierlich zu verstärken.

Allein die Kaninchenhilfe Deutschland e. V. hat zurzeit ca. 500 Mitglieder, davon etwa 30 aktiv Tätige, die sich ehrenamtlich, ohne Bezahlung und mit großem Engagement für das Wohl von Kaninchen einsetzen. Die anderen ca. 470 Mitglieder sind passive (zahlende) Mitglieder.

Beratung und tatkräftiger Einsatz

Kaninchenhaltung mit Herz und Verstand" ist das Ziel, welches sich die Kaninchenhilfe gegeben hat. Ausführliche Beratungen sollen dem fälschlich als anspruchslos und pflegeleicht geltenden Kaninchen  zu dem Status verhelfen, der ihm angemessen ist. So stehen die aktiven Mitarbeiter Kanincheninteressierten von der ersten Überlegung an bis hin zum Kaninchenalltag beratend zur Seite. Bereits im Vorfeld muss abgeklärt werden, ob ein Kaninchen in das Umfeld und zum Lebensrhythmus passt, und die Voraussetzungen für ein kaninchengerechtes Leben gegeben sind. Die Kaninchenhilfe unterstützt Interessierte bei der Suche nach dem passenden Tier, hilft Alltagsprobleme zu bewältigen und steht vom ersten bis zum letzten Schritt mit Informationen zur Verfügung.

Neben individuellen, kostenlosen Beratungen per E-Mail, Telefon, vor Ort und in Foren werden Infostände auf Messen und in Tierheimen organisiert. Wissensaufbereitung und -verbreitung erfolgt in Form von Informationsbroschüren, Flyern, der Vereinszeitschrift Bunny News", durch Artikel in Fachzeitschriften und durch Vorträge in Tierheimen und Schulen.

Bei regelmäßig stattfindenden Kaninchen-Stammtischen" können in gemütlicher Runde Erfahrungen ausgetauscht und Kontakte zu anderen Kaninchenhaltern geknüpft werden. Außerdem kann bei diesen Veranstaltungen Informationsmaterial sowie artgerechtes Futter für Kaninchen erworben werden.

Die Kaninchenhilfe unterhält kein Tierheim, betreut jedoch in privaten Pflegestellen aufgenommene Tiere sowie je nach Kapazität auch Urlaubstiere. Die Aufnahme von Fund-bzw. Abgabetieren ist jedoch stark begrenzt, weshalb laufend qualifizierte Pflegestellen gesucht werden, die vorübergehend einem Tier bis zur endgültigen Vermittlung ein Zuhause bieten möchten. Es sind ausgesetzte, misshandelte, vernachlässigte oder schlichtweg uninteressant gewordene Kaninchen, die in die Obhut der Kaninchenhilfe kommen, und nur durch das Engagement der ehrenamtlichen Helfer ist dies möglich. Die Kaninchen werden medizinisch versorgt, und alle Rammler kastriert. Die Tiere werden an kaninchengerechte Ernährung gewöhnt und dank fachmännischer Betreuung kehren Lebenswillen und Vertrauen zurück.

Möglichkeiten der Unterstützung

Die Mitglieder der Kaninchenhilfe engagieren sich ehrenamtlich, ohne Bezahlung und mit großem persönlichem Einsatz. Dennoch ist die Organisation auf zusätzliche Hilfe angewiesen, um Medikamente, Kastrationen und andere Tierarztkosten zu finanzieren.

Die Kaninchenhilfe finanziert sich hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Patenschaften sowie dem Verkauf von Infobroschüren, artgerechtem Futter etc. auf Messen und Infoständen.

Immer suchen wir auch ehrenamtliche Helfer für Beratungen sowie Pflegestellen für Vermittlungstiere. Helfer, die dazu beitragen wollen, dass Kaninchen endlich nicht mehr als bedürfnislose Käfigtiere angesehen werden, sondern als lebenslustige, bewegungsfreudige und gesellige Tiere.

Die zuständigen Ansprechpartner in Ihrer Nähe für Fragen rund ums Kaninchen finden Sie unter www.kaninchenhilfe.com. Der Verein hat seinen Sitz in 25813 Husum. Das Spendenkonto ist bei der Münchner Bank eG, Konto-Nr. 458732, Bankleitzahl 701 900 00. Weitere Auskünfte erteilt die 1. Vorsitzende Frau Anke Kraus, Tel. 0 48 41/9 49 82 50.

Mit freundlicher Genehmigung der KaninchenhilfeDeutschland e. V.