Hundesport

Tierhaltung

Ein tolles Treiben!

So werden gelangweilte Vierbeiner zu sportlichen Ball-Profis"

Wie alles begann

1998 bekam ich meinen ersten Australian Cattle Dog, nachdem mein Schnauzer Astor mit fast neunzehn Jahren in den Hundehimmel gegangen war. So wie früher Astor, sollte Dingo nun mein Begleiter sein bei Fuß" oder bei Huf" und nach entsprechender Ausbildung.

Von Anfang an zeigte sich Dingo außerordentlich gelehrig, hielt mich aber auch mit allerlei Unfug auf Trab. Bereits als Junghund konnte er ausgezeichnet apportieren und ich machte mir Gedanken, wie ich seine Arbeitswut auf Dauer befriedigen könnte.

Spazieren gehen? Wie langweilig! Rinder oder Schafe treiben ging aber auch nicht und so musste etwas anderes her.

Eines Tages brachte mich der Zufall auf die entscheidende Idee: Als ich sah, dass Dingo mal wieder damit liebäugelte, meine Pferde ein bisschen über die Weide zu treiben", lenkte ich sein Interesse auf die runden Mörteltonnen um, die auf der Weide als Tränken dienen.

Zuerst noch bearbeitete er die Tonnen ziemlich planlos. Aber mit der Zeit fand er immer besser heraus, was zu tun ist, um sie möglichst schnell zu mir zu bugsieren und sich damit eine Belohnung zu verdienen: Zuerst draufspringen, um sie in Bewegung zu bringen, dann vorantreiben, was sich am besten durch den Einsatz von Pfoten und Nasenrücken machen lässt.

Eine neue Idee war geboren: Tonnenrennen" mit dem Australian Cattle Dog

Nach und nach verfeinerte Dingo seine Technik immer mehr. Er entwickelte auch ein rasantes Tempo und legte zwischendurch akrobatische Kunststücke ein, indem er die Tonnen zeitweise in vollem Galopp auf der Nase balancierte wie ein Delfin. Ich brachte ihm bei, auf Pfiff zu stoppen und auf Handzeichen eine bestimmte andere Tonne anzugreifen". Das machte er so lange, bis er von mir ein Abbruchsignal bekam oder bis er alle Tonnen zu einer geschlossenen Herde" zusammengetrieben hatte.

Als Reiterin war es für mich naheliegend, mein Pferd mit in diese Arbeit zu integrieren, und ich übte, die Anweisungen auch vom Sattel aus zu geben. Das Schwierigste dabei war, dem Pferd das heftige Scheuen vor den heranbrausenden Tonnen-Ungetümen abzugewöhnen. Dingo musste natürlich lernen, auf Zuruf sofort zu stoppen, da er sonst durch die wuchtigen Tonnen das Pferd und mich in Gefahr bringen würde. Bald war ich mit Dingo und den schwarz-weiß bemalten Baumarktkühen" mal mit Pferd, mal ohne auf einigen Shows zu sehen.

Da der Umgang mit den schweren Tonnen nur etwas für ganz harte Jungs" ist, entwickelte ich die Treibarbeit mit großen Bällen, um auch anderen, weniger robusten Hunden als Cattle Dogs, eine passende Tätigkeit anbieten zu können. Dieser Sport fand schnell Interesse bei den Hundebesitzern und Hundetrainern und wurde bald in ähnlicher Form als Treibball" bekannt.

Mit Gassi gehen" sind Hunde nicht ausgelastet

Jeder Rassehund und jeder Rasse-Mix ist von Natur aus ein soziales Arbeitstier" und darauf orientiert, eine entsprechende Aufgabe im Rudel (in der Familie) zu erfüllen. Bei Hunden, die keinen Job" haben, sind Verhaltensprobleme vorprogrammiert und belasten die Hund-Mensch-Beziehung. Das äußert sich dann in unerwünschten Ersatzhandlungen wie ständiger Unruhe, scheinbar sinnlosem Kläffen, Hüteverhalten bei Kindern und Haustieren, Kreisdrehen, übertriebenem Lecken und Kratzen bis zur Selbstverletzung, Stubenunreinheit, Zerstörungswut, Weglaufen und Jagen von Wild, Joggern, Briefträgern und vieles mehr.

Als Hundeerziehungsberaterin habe ich ständig damit zu tun.

Vor einiger Zeit besuchte mich eine unglückliche Hundebesitzerin, deren zweijähriger Rüde zu einer echten Plage geworden war. Der Border Collie-Schäferhundmix war völlig unausgeglichen, sprang jeden an, randalierte im Haus und im Auto und jagte Jogger, Kaninchen und Fahrradfahrer. Auf meine Frage, womit der Hund denn beschäftigt würde, erfuhr ich, dass seine einzige Aufgabe darin bestand, das Frauchen ins Altenheim zu begleiten und sich dort von den Bewohnern streicheln zu lassen.

Allerdings musste bei Randy zuerst einmal die Grunderziehung nachgeholt werden. Als ich nach einiger Zeit mit ihm begann, an den Bällen zu arbeiten, nahm er die neue Beschäftigung begeistert an. Endlich konnte er etwas Gescheites tun!

Heute kommt Randy wöchentlich zum Balltraining. Seinen Einsatz im Altenheim haben wir zusätzlich etwas anspruchsvoller gestaltet: Statt sich nur streicheln zu lassen, macht er sich jetzt nützlich, indem er seinem Frauchen zum Vergnügen der Heimbewohner ein Henkelkörbchen und verschiedene andere Gebrauchsgegenstände hinterherträgt.

Zielsetzung

Als Hundetrainerin bin ich darauf orientiert, meinen Kunden alltagstaugliche Möglichkeiten zur Beschäftigung ihrer Hunde zu eröffnen, die mit möglichst wenig Investition an Zeit und Material täglich zu bewerkstelligen sind.

Fern von jeglicher Wettbewerbsidee brauchen Sie als Frauchen bzw. Herrchen außer dem entsprechenden Know-how zu Ihrer und Ihres Vierbeiners Freude nur einen geeigneten Ball und ein Stückchen Wiese. Das Tor" sind Sie selber und genau dort soll Ihr Hund den Ball einlochen", bestenfalls zwischen Ihren gespreizten Beinen.

Natürlich ist das Balltraining nicht nur eine kurzweilige Beschäftigung, um den Hund nach Lust und Laune hinter den Bällen herrennen zu lassen, sondern es gibt genau vorgegebene Spielregeln.

Jedoch sind alle Kommandos, die während des Einsatzes gegeben werden, zweckgebunden und somit für den Hund sinnvoll. Down" wird zur Startposition für ein spannendes Spiel. Robbe!" die Anweisung auf dem Bauch zu kriechen dient dazu, sich unauffällig an die Herde" anzuschleichen, um im nächsten Moment auf Voran!" einen bestimmten Ball in Angriff zu nehmen. Ein akustisches Signal bedeutet Schau her!". Darauf kann zum Beispiel ein Handzeichen für rechts oder links folgen oder zum Chef" kommen. Es ist sicher nachvollziehbar, dass Hunde in diesem für sie sinnvollen Zusammenhang Anweisungen wesentlich leichter verstehen und freudiger ausführen als zusammenhanglosem Sitz", Platz" und Hier" auf dem Hundeplatz zu folgen.

Es richtet sich ganz nach den persönlichen Ansprüchen und Möglichkeiten, wie weit man seinen Hund fördern möchte. Manchem reicht es schon, wenn er ihn anschließend auf der heimischen Rasenfläche mit leichten Übungen und nur einem Ball beschäftigen kann.

Wer aber ehrgeizig ist, kann lernen, selektiv mit mehreren Objekten zu arbeiten. Manche Profis" treiben die Bälle gezielt um Hindernisse und durch das Gattertor. Wer es schafft, den Ball die Rampe hoch in den Pferdetransporter zu bugsieren, kann sich jedoch Meister" nennen!

Balltraining als Therapie

Maja, eine Kangalmix-Hündin aus der Türkei, wurde vor kurzer Zeit aus dem Tierheim geholt. Sie ist etwa zwei Jahre alt und äußerst ängstlich. Jedes unbekannte Objekt löst Angst und Panik bei ihr aus, sodass ihr neues Frauchen es kaum noch wagt, mit ihr außer Haus zu gehen. Natürlich riet ich der Besitzerin zuerst einmal zu einer ganzen Reihe von Verhaltensmaßnahmen, die dazu geeignet sind, ängstlichen Hunden im Allgemeinen und ihrer Hündin im speziellen Fall mehr Sicherheit zu geben.

Als dann das erste Eis gebrochen war, begann ich, mit Maja an einem leichten, einfachen Gymnastikball zu arbeiten. Es war schon einiges an Geduld erforderlich, um sie von der Harmlosigkeit dieses komischen Dings zu überzeugen. Nachdem aber ihre Neugier größer wurde und sie den Ball einige Male mit der Nase angestupst hatte, fand sie Spaß an der Sache. Heute rollt Maja den dicken Ball lustig dem Frauchen zu. Die Erfahrung, dass sie das fürchterliche Plastikmonster vertreiben kann, hat wesentlich zu ihrem Selbstbewusstsein beigetragen.

Welche Hunde sind besonders geeignet?

In der Regel jeder gesunde, bewegungsfreudige Hund ab einer gewissen Größe. Für die anspruchsvollen Australian Cattle Dogs, denen mein ganzes Herz gehört, ist es fast ein Muss". Auch habe ich bisher noch keinen Australian Shepherd trainiert, der nicht nach kurzer Zeit begeistert bei der Sache war. Bei den talentierten Border Collies muss man allerdings darauf achten, dass sie ihre Arbeit ordentlich erledigen, ohne dabei zu überdrehen.

Das heißt aber nicht, dass hier nicht Genannte für das Balltraining nicht in Frage kommen! Ein robuster, arbeitseifriger Staffordshire Terrier, Alaskan Malamute oder Rhodesian Ridgeback kann durchaus lernen, die Bälle so vehement zu treiben wie ein Australian Cattle Dog, Bouvier oder Rottweiler. Natürlich sind auch die begabten Promenadenmischungen oft mit Begeisterung am Ball".

Mein derzeitiger Favorit ist der Jack Russell Terrier Carlsson, der den Ball in kürzester Zeit und mit unglaublichem Geschick durch alle Hindernisse zu seinem menschlichen Tor" dribbelt. Will er vielleicht Dingo, dem Hundefußball-Weltmeister 2006" den Rang ablaufen? Der ist mit seinen inzwischen elf Jahren jedenfalls immer noch mit Begeisterung und unvergleichlichem Charisma am Ball.

Mit freundlicher Genehmigung von

Barbara Neuber,

Hundetrainerin und Verhaltensberaterin,

www.hunde-logisch.de