Gefährliche Zecken

Gefährliche Zecken

Neue Zeckenart für Hunde lebensgefährlich
Wissenschaftler empfiehlt Haltern, Tiere ausreichend zu schützen
von Svenja Kleinschmidt

Die Freie Universität warnt vor einer neuen, für Hunde lebensgefährlichen Zeckenart. Die so genannte Auwaldzecke stammt aus Mitteleuropa. Jetzt breitet sie sich in Berlin und Brandenburg aus. Sie überträgt bei Hunden die "Babesiose". Das Problem: Es gibt weder in Apotheken Medikamente, noch ist eine Impfung möglich.

"Die Ausbreitung dieser Zeckenart ist ein ernstes Problem. Mittlerweile ist jede dritte Zecke in den Randgebieten Berlins eine Auwaldzecke", erläutert der FU-Wissenschaftler Eberhard Schein. Vor wenigen Tagen hat er an seinem Institut erstmals eine Babesiose-Erkrankung bei einem Hund behandelt, der von einer Zecke in Brandenburg infiziert wurde. "Bisher hatten wir 20 bis 30 erkrankte Hunde pro Jahr, aber die waren zuvor mit ihrem Besitzer auf Reisen. In diesem Fall hat aber eine heimische Auwaldzecke die Babesiose übertragen", alarmiert der Parasitologe der FU.

Nicht jede Zecke ist automatisch Überträger der Babesiose. Erst, wenn sie einen Parasiten, die Babesie, in sich trägt, infiziert die Auwaldzecke den Hund über ihren Speichel. Der Erreger kam aus dem Ausland nach Deutschland.

Die Krankheit zerstört ähnlich wie Malaria die roten Blutkörperchen des Tieres, das bereits nach vier bis fünf Tagen an Blutarmut oder innerhalb von zehn Tagen an Nierenversagen stirbt. Zwar gibt es Medikamente gegen den tödlichen Krankheitsverlauf, aber nicht in Deutschland. Nur am Institut der Parasitologie der FU kann dem erkrankten Hund geholfen werden - wie auch im Fall aus Brandenburg.

Eberhard Schein wendet er sich an Tierärzte und Hundehalter, um sie für diese Problematik zu sensibilisieren: "Ärzte müssen darauf achten, dass Hunde auch hier in Berlin infiziert werden können. Die Halter sollten ihre Tiere regelmäßig auf Zecken untersuchen und sie vor ihnen schützen." Zeckenhalsbänder oder Mittel für das Fell des Hundes sind ein adäquater Schutz, den man beim Tierarzt erwerben kann. Besorgte Halter können die Krankheit bei ihrem Hund leicht erkennen. Erste Anzeichen sind hohes Fieber, Verweigerung des Futters und Apathie. Nach zwei bis drei Tagen färbt sich der Urin des Hundes dunkelrot.

Artikel erschienen am Fr. 20. Mai 2005

Quelle: http://www.welt.de/data/2005/05/20/720861.html