Diabetes bei der Katze

Hallo, mein Name ist Tassilo, meine Mitbewohner rufen mich Hase.

Ich wurde mit meinen Geschwistern zusammen im Tierheim Olpe als Fundkatze abgegeben. 1999 war das. Obwohl damals die durchschnittliche Verweildauer im Tierheim kürzer war als heute, war dies eine Zeit lang mein Zuhause bis ich endlich mein eigenes Personal fand.

Auch mein Bruder Maurizio durfte im neuen Zuhause einziehen.

Es war spannend! So viele neue Gerüche, neue Eindrücke und Räume mit so vielen Versteckmöglichkeiten.

2007 wurde ich unsauber und Frauchens Gesicht ließ keinen Zweifel daran, dass sie wenig begeistert war. Ich fühlte mich in diesen Tagen oder Wochen ohnehin nicht gut, hatte viel abgenommen, mein Fell war struppig und Durst und Hunger hatte ich auch ständig. Eines Tages half alles Verstecken nichts Frauchen schleppte mich zum Tierarzt. Der stellte dann die Diagnose: Diabetes.

Ich bin Diabetiker, eine Zuckerschnute, wie man mich liebevoll auch nennt.

Beim Tierarzt wurde ein großes Blutbild erstellt, bei dem die Bestimmung des sogenannten Fructosaminwerts nicht fehlen darf. Während der Glukosewert, also der Blutzuckerwert, auch bei gesunden Katzen stressbedingt stark erhöht sein kann, gibt der Fructosaminspiegel einen Überblick über die Glukosewerte der letzten 10 bis 14 Tage.

Mein Frauchen war froh, dass sie endlich wusste, was ich hatte und wie sie mir helfen konnte. Aber ganz so einfach schien es dann doch nicht zu sein immer öfter saß sie nämlich vor ihrer Computerkiste. Sie versuchte herauszufinden, warum ich auf einmal diese Zuckerkrankheit bekommen hatte. Was war die Ursache? Ich war nicht zu dick, hatte niemals Cortison bekommen, meine Schilddrüse war gesund und meine Zähne zeigten auch keine dramatischen Auffälligkeiten.

So war es zunächst unser Ziel, die Blutzuckerwerte zu senken, idealerweise sollten sie sich im nierenschonenden Bereich bewegen. Denn gerade die Nieren nehmen bei nicht eingestelltem Diabetes oft Schaden.

Sofort wurden unsere Trockenfutterleckerchen vom Speiseplan gestrichen und es gab keine Leckerli-Versteckspiele mehr im Haus. Kohlenhydrate waren tabu, dafür sollte unsere Nahrung viel Protein und wenig Fett enthalten.

Es gab nur noch Nassfutter ohne Zucker und Getreide (auch nicht mit den sogenannten pflanzlichen Nebenerzeugnissen). Viele Futtersorten erwiesen sich als nicht brauchbar. Ich muss zweimal täglich im Abstand von zwölf Stunden Insulin unter die Haus gespritzt bekommen. Vorher wird der aktuelle Blutzucker mittels Hometesting festgestellt. Hierzu wird mit einer Stechhilfe mein Ohr angepiekst und ein ganz kleiner Bluttropfen dient zur Messung. Es tut überhaupt nicht weh, aber mein Frauchen war anfangs nervös und meine Öhrchen kalt und nicht willig, den ersehnten Bluttropfen zu liefern.

Zum Glück gehört zu unserem Haushalt noch ein Hund und Frauchen ist erfinderisch in Sachen Tiererziehung. Das Zauberwort heißt positive Bestärkung. Es gibt Leckerchen wie Gras-Bits und Käserollis, die für Zuckerschnuten geeignet sind. Frauchen hat ein richtiges Ritual daraus gemacht und das Beste ist: Ich werde immer belohnt, wenn ich stillgesessen habe, egal, ob Frauchen beim Blutzapfen erfolgreich war oder nicht. Zum Glück lernen Öhrchen zu bluten und heute hüpfe ich sofort in die richtige Position, wenn das Messgerät einsatzbereit gemacht wird. Danach bekomme ich mein Futter und wenn ich brav fresse, bekomme ich mein Insulin. Ich merke es überhaupt nicht.

Leider blieben die Blutzuckerwerte jedoch schlecht: Nach dem Futter gingen sie rasant nach oben, um dann heftig zu fallen. Abends ging dem Insulin die Puste aus und der Wert war wieder sehr hoch. Diese Achterbahnfahrt machte mir zu schaffen!

Ich habe gut auf Lantus angesprochen, meine Werte verliefen relativ geradlinig, wenn auch noch zu hoch. Die Dosis wurde erhöht, bis ich endlich gute Werte hatte. Zum Glück sinkt mein Blutzucker nicht so tief und mein Körper reagiert sehr zuverlässig auf Futter und Insulin.

Ich hatte nach sechs Monaten schöne Werte um 100, inzwischen sogar über einen großen Zeitraum des Tages etwas tiefere Werte als bei einer gesunden Katze. Ich bekomme zusätzlich noch Enzyme für meine Bauspeicheldrüse zu meinen Mahlzeiten, da meine Nahrungsausnutzung und meine Fettverdauung gestört sind.

Jetzt geht es mir wieder richtig gut, auch wenn ich zweimal täglich bei Hometesting und zur Insulingabe kooperativ sein muss. Ein Vorteil ist jedoch, dass es eine große Portion Extra-Zuwendungen für mich gibt.

Apropos: Habt ihr gemerkt, dass es sich hier nur um mich und nicht um meinen Bruder Maurizio dreht?

So ist es eine ganze Weile in der Einstellungsphase gewesen, bis Frauchen gemerkt hat, dass unser kleiner Schwarzer etwas zu kurz kommen könnte. Die Zuwendungen verteilt sie inzwischen wieder gerecht, aber das ist okay, denn es geht mir ja wieder gut.

Im Frühjahr muss ich wieder zum Tierarzt und dann wird ein neues Blutbild gemacht.

Wenn alles im grünen Bereich ist, steht einem fröhlichen und ausgelassenen Katzenleben nichts mehr im Wege.

Wichtiger Hinweis: Es handelt sich hier um unsere persönlichen Erfahrungen. Ich bin keine Tierärztin und übernehme keinerlei Haftung. Bitte sprechen Sie die Therapie der diabetischen Katze unbedingt mit Ihrem Tierarzt ab.

Christine Wasgien