Das Zweittier

 

Die Sache mit dem Zweittier

Auch eine Frage der Geduld

Moderne Tierhaltung ist häufig eine Mehrtierhaltung". Der Trend zum Zweithund oder zur Zweitkatze macht sich auch im Tierheimalltag bemerkbar, denn glücklicherweise finden viele Tierfreunde bei der Suche nach einem Zweittier den Weg zu uns.

Aber mehr noch als bei der Anschaffung des ersten Tieres ist es bei einem weiteren Artgenossen, der einziehen soll, sehr wichtig, dass alles zusammenpasst. Verantwortungsvolle Tiervermittlung bedeutet aber nicht nur eine Beratung zu leisten, sondern auch Fragen aufzuwerfen, mit denen sich der Tierhalter auseinandersetzen muss. Zum einem geht es natürlich um grundlegende Dinge: Ist genügend Platz vorhanden? Genügend Zeit? Und wie sieht es mit den finanziellen Möglichkeiten aus? Denn schließlich kosten zwei Tiere immer mehr als eines!

Lassen sich solche Fragen häufig noch recht leicht klären, wird es jedoch schon schwieriger, wenn es um das Warum geht: Warum eigentlich ein weiteres Tier?" Gerade hier stößt man auf sehr unterschiedliche Erwartungen, die einen großen Teil dazu beitragen, ob es mit dem Zweithund oder der Zweitkatze klappt!

Wer glücklich mit seinem Vierbeiner ist, erwartet von einem weiteren Artgenossen vielleicht ein mehr an Freude. Oder man möchte einem benachteiligten Tierheimtier einfach ein Zuhause geben. Bedenklich wird es, wenn das neue Tier bloß eine Bereicherung für das Ersttier sein soll, quasi als Gesellschafter oder Spielkamerad. Oder wenn der oder die Neue als Problemlöser fungieren soll, wenn der Halter Schwierigkeiten mit dem Ersttier hat.

Unabhängig von den verschiedenen Erwartungen, die an ein Zweittier gestellt werden, muss einfach klar sein, dass jedes Tier eigene Ansprüche hat, die es zu erfüllen gilt. Die Aufnahme eines weiteren Tieres ist durchaus nicht immer einfach, besonders dann nicht, wenn ein erwachsenes Tier integriert werden soll. Es kann sehr lange dauern, bis alle zusammen ein eingespieltes Team sind, und fast immer muss vor allem der Zweibeiner noch dazulernen! Gerade bei Katzen kann es viele Wochen dauern, bis sich ein friedliches Miteinander entwickelt. Beim zweiten Hund können Situationen entstehen, in denen der Ersthund plötzlich ganz andere Seiten zeigt, die der Halter bisher nicht kannte. Notwendig sind Geduld und zwar auf wirklich lange Zeit gute Nerven, viel Eigeninitiative und die Bereitschaft, flexibel zu sein.

Die Übernahme eines Tieres bedeutet die Übernahme von Verantwortung. Und die endet nicht da, wo Probleme anfangen, sondern dort fängt Verantwortung erst richtig an! Wer zu schnell aufgibt und das zweite Tier ins Tierheim zurückgibt, weil es nicht auf Anhieb klappt, begreift nicht, was er diesem Tier antut.

Sicher, es gibt Fälle, wo auch objektiv gesehen keine Aussicht auf Erfolg besteht, denn ein Restrisiko bleibt auch bei einer noch so gewissenhaften Auswahl des Zweittieres. Erfahrungsgemäß sind dies aber eher Ausnahmen!

Iris Drosten, Tierheimleiterin